Wie man in Jablonec n. Jiz. [Jablonetz] die Toiletten baut e

 

In der gesegneten Zeit des realen Sozialismus war es um die Bauvorhaben auf der Bahn nicht sehr gut bestellt. Wenn sich zufällig das Geld zum Bauen fand, fehlte der Lieferant, und wenn es einen Lieferanten gab, fehlte das Geld. Und wenn es ab und zu eine günstige Planetenkonstellation gab und ein Lieferant mit dem Geld zusammentrafen, fehlte die Projektdokumentation. Bevor es gelang, das Projekt zu erstellen, lief der Lieferant davon und das Geld verfiel. Damals bekam ein Beamter der Bahnverwaltung in Prag eine geniale Idee: er ersann die Selbsthilfebauvorhaben. Es war ganz einfach: man erstellte die Projekte auf Vorrat, und dann wartete man, bis Kronen da waren. Es gab eine einzige Bedingung - das Bauvorhaben mussten die Bahnhöfe durch eigene Kräfte ausführen.

 

Zu dem Zeitpunkt griff der Vorsteher des Bahnhofs in Rochlitz Jiri Jäckel in das Geschehen ein. Er war ein besonders zielstrebiger Mensch und hatte großes Glück: Seine Untergebenen hatten nämlich meistens ein Handwerk erlernt und waren nur deshalb zur Bahn übergelaufen, weil die Zeit den Handwerkern nicht wohlgesonnen war. Außer Zielstrebigkeit zeichnete eine ordentliche Portion Forschheit den Bahnhofsvorsteher aus. Als der Referent für Bauvorhaben in der Direktion Königgrätz seine um Zustimmung zu einem Selbsthilfevorhaben ersuchende Stimme im Telefon hörte, war ihm sonnenklar, dass das Bauwerk bereits stand . Herrn Ing. Puc vom Bahnverwaltungsamt, der die Einhaltung der Bauverordnungen und -vorschriften zu überwachen hatte, missfiel diese Praxis allerdings sehr. ,,Was? Schon wieder dieser Rochlitzer Schuft? Immer soll ich seine Schwarzbauten retten?", schrie er. ,,Warte nur, ich bringe Dir schon Ordnung bei!"

 

Der weitere Verlauf war immer der gleiche. Im Büro des Bahnhofsvorstehers traf eine Kommission zusammen, Jäckel nahm eine Flasche Wodka aus dem Kühlschrank und sagte:

,,Meine Herren, zunächst eine kleine Erfrischung, damit wir besser verhandeln können". Und er schenkte jedem ein volles Senfglas ein. Dies praktizierte er so lange, bis der erboste Puc tortenweich wurde und bereit war, dem Bahnhofsvorsteher auch den Bau eines Aussichtsturmes zu genehmigen.

 

Da geschah es, dass sich Jäckel entschloss, im Jablonetzer Bahnhof, den er mitverwaltete, neue Toiletten für die Reisenden zu bauen. Bisher standen nur zwei hölzerne halbverfallene stille Örtchen dort. So machte man sich in Jablonecek, wie die örtlichen Menschen liebevoll ihr Städtchen Jablonetz nennen, an die Arbeit. Den Bau leitete der Frachtschalterangestellte Rambousek, von Beruf ursprünglich Maurer.

 

Aber bald tauchte ein unerwartetes Hemmnis auf: die Obrigkeit beauftragte mit der Bauleitung einen jungen Ingenieur, der gerade vom Militär zurückgekehrt war. Und dieser erlaubte sich, Rambousek vorzuwerfen, dass der Abfluss der Toiletten überall hin mündet, nur nicht dorthin, wo er sollte, nämlich in die Kanalisation. Dies berührte unseren „Polier“ sehr peinlich und er erklärte den Streik. Als der verzweifelte Bahnhofsvorsteher dieses Unglück nach Königgrätz meldete, wurde Kosák nachdenklich: ,,Schau, Jirko, ich komme morgen zu Euch und irgendwie bringen wir es schon in Ordnung. Wir treffen uns aber nicht bei Dir, wir werden in Jablonetz in der Kneipe verhandeln. Nimm den Rambousek dorthin mit." ,,Den Bauleiter etwa?", fragte Jäckel. „Gott behüte, den auf keinen Fall, das würde nicht gut ausgehen."

 

Am darauffolgenden Tag, sobald alle versammelt waren, begann der verärgerte Rambousek zu murmeln: ,,So ein Grünschnabel ! Er ist in vierzehn Tagen eine Woche bei der Bahn und will mir, einem alten Fuchs, vorschreiben, wie ich bauen soll!" ,,Augenblick", stoppte ihn Kosák, ,,bevor wir uns darüber unterhalten, lasst uns ein bisschen stärken, nicht?" Er zwinkerte dem Bahnhofsvorsteher zu und bestellte drei doppelte Wodkas. Dann noch ein paar mal das Gleiche. Nachdem Rambouseks Gesichtszüge wabblig wurden und seine Augen zu rollen begannen, sagte Jäckel : ,,Herr Kassierer, ich habe mir die Baustelle angesehen. Der Abfluss ist Ihnen wirklich nicht besonders gut gelungen."

Rambousek grinste und sagte mit erstarrender Zunge: ,,Das weiß ich doch auch, Herr Ingenieur, dass wir das verpatzt haben. Aber weil Sie so einsichtig sind, bauen wir das gleich morgen um." Und der Streik war beendet.

 

Zur feierlichen Eröffnung der Toiletten kam auch Ing. Kosák aus Königgätz. Der Bahnhofsvorsteher beauftragte ihn, das Band durchzuschneiden und dann bat er ihn, unter lautfröhlicher Zustimmung der anwesenden Zuschauer, als erster in die schneeweiße Muschel zu pinkeln. Was Kosák vor allen tat, ohne sich zu genieren.

(Erpe / Aus der Wochenendbeilage der Tageszeitung „Krkonosske noviny“ d.h .“Riesengebirgszeitung“ v. 5.8.00, S.11- Übersetzung Dr. Pavel Cervicek, Darmstadt)