Weihnachtskrippen in den Sudeten

 

(Im Adlergebirgsvorland hatten die Weihnachtskrippen Ausmaße von kleinen Häusern)

 

In den Museen des Riesengebirges findet man Krippen aus der Region in großer Anzahl und aus vielen Materialien, oft auch mechanisch betrieben und mit Spieluhren ausgestattet. Unser Freund Dr. Pavel Cervicek leitete uns einen Bericht zu, den er in der größten tschechischen Tageszeitung MF Dnes fand. Im wesentlichen lassen sich die für das Adlergebirge, dem östlichen Nachbarn des Riesengebirges, gemachten Aussagen auch auf das Riesengebirge übertragen.

 

Obwohl auch heute manche gerne zu den Weihnachtskrippen zurückkehren und zu Hause an Weihnachten ein paar Figürchen aufstellen, kann man es nicht einmal von weitem mit der Ergriffenheit der Menschen vergleichen, welche im vorigen Jahrhundert auch einige Meter lange Krippen bauten. Solche entstanden im Adlergebirgsvorland und einige von ihnen kann man jetzt in der regionalen Krippenausstellung in Wildenschwert bewundern.

 

,,Die Krippen begannen in den kleinen Gebirgshäusern aufzutauchen, nachdem Josef II. verboten hatte, sie in den Kirchen aufzustellen. In der Wildenschwerter Gegend fingen die Häusler an, sie direkt eine ganze Wand entlang zu bauen," sagt die Ausstellungsführerin Vera Sekotovä. Es gibt in der Ausstellung gleich drei so große Krippen. ,,Die eine beherbergt 1500 bis 1600 Figuren. Sie stammen von fünfzehn Autoren, weil die Menschen die Figuren von verschiedensten Künstlern nach und nach ergänzten", erklärt  Frau Sekotova.

 

Das Malen der Krippenfiguren lernten die Wildenschwerter am Ende des 18. Jahr­hunderts von Malern, die dort damals die Ausschmückung einiger Kirchen beendeten. Ans Malen machten sich hauptsächlich Handwerker: Schuster oder Weber. ,,Obwohl jede Krippe ein Unikat ist, galt es, bei ihrem Bau genaue Gesetzmäßigkeiten zu beachten. In der Mitte müssen sich der Stall und die Heilige Familie befinden. Der Platz vor der Heiligen Familie wurde mit Blumen geschmückt", beschreibt Frau Sekatova .

 

Links platzierten die Krippenbauer die Verkündigungsszene, unterhalb ihr ein Dorf (Anm. des Ubers.: wohl Bethlehem) und rechts eine Stadt (wohl Jerusalem). Hinter den Figuren schufen sie eine plastische Landschaft. Ein Bestandteil der Krippen ist auch ein gemalter Hintergrund, für den sich die Benennung „Ferne“ einbürgerte. Die Figuren steckte man in ein besonderes Krippenmoos, das den ganzen Winter lang seine frische Farbe behielt.

 

Nach und nach begann man, Krippen aus den verschiedensten Materialien zu bauen. Die Ausstellungsbesucher können Krippen aus Wisowitz-Teig, Stoffen, Keramik, Maisblättern besichtigen oder Figuren, die durch das japanische Origami-Papier­falteverfahren angefertigt worden sind. Man kann gestickte Krippen betrachten oder eine von einem Kunstschmied geschaffene Krippe. ,,Einer der Autoren hat auch eine Fastenzeitkrippe geschaffen. Die ist nicht sehr geläufig. Man kennt nämlich Weihnachts-oder Dreikönigskrippen. Eine Krippe mit den im Garten Gethsemane betenden Jesus, dem sich die Soldaten nähern, malen die Künstler nur selten", bemerkt Sekotova.