Ein paar Informationen über ...

 

... Jablonec nad Jizerou 

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Tschechische Partnergemeinde von Sulzbach / Taunus seit 1987

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bis 1945 mit deutscher Minderheit von ca. 25 % , deutscher Ortsname: Jablonetz an der Iser

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22,5 qkm große Flächengemeinde zwischen 450 m  und 920 m mit 2000  Einwohnern in 10 Ortsteilen

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Lage: Westliches Riesengebirge ,

120 km nordöstlich von Prag

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Wirtschaft: Traditionelle Struktur mit Textil, Bijouterie, Holz- und Metallbearbeitung, Fremdenverkehr

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Der Ort Jablonec an der Iser, am 14. Februar 1896 von Kaiser Franz Joseph I. zum Städtchen erklärt und am 4. November 1971 zur Stadt erhoben, hat heute annähernd 2050 Einwohner .Außerdem eigentlichen Zentrum wird die Stadt von dem anliegenden Gebirgsvorland und Gebirgssiedlungen Blansko, Konciny, Burany, Vojtesice, Bratouchov, Horni und Dolni Dusnice, Rezek, Stromkovice, Hradsko und Tric gebildet, Mit all seinen Siedlungen erstreckt sich das Gebiet auf 22,5 km², von denen sich mehr als die Hälfte im Riesengebirgsnationalpark befinden. Die Stadt liegt in einer durch- schnittlichen Höhen von 450 m, die am höchsten liegende Siedlung ist Rezek 860 m ü.d.M.. Jablonec nad Jizerou ist das Zentrum dieses Gebietes, was z.T. die Kreuzung des Hauptstraße von Vrachlabi nach Harrachov und Liberec und der Nebenstrasse in Richtung Kreisstadt Semily hervorrief. Das bekannteste Naturdenkmal der Stadt und gleichzeitig eines Ihrer Merkmale ist die Kirche St. Prokop, deren Renovierung 1993 beendet wurde. Den Besuchern der Stadt gewährt der Park Pilist'ata gute Erholungsbedingungen, wo neben der Ruhezone und dem Sportareal das Schwimmbad und das zwar kühle aber klare Flusswasser der Iser zur Erfrischung locken. Die Aufgliederung der Stadt und deren Umgebung, die zauberhafte Naturszene der höchsten böhmischen Berge fordern zu Spaziergängen und Touristiktouren zu nah und fern liegenden Riesengebirgsdominanten auf gekennzeichneten Wegen auf. Eine bedeutende Stellung nimmt der Sport in der Stadt ein. Sportplätze und Einrichtungen des Sportvereins ermöglichen sportliche Aktivitäten zu jeder Jahreszeit. (Quelle: www.bohemianet.com)

 

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Gegenwart und Vergangenheit

 

 

 

Jablonec an der Iser mit etwa 2.030 Einwohnern wurde 1896 Marktflecken und 1971 Stadt. Außer dem Hauptort Končiny, Buřany, Vojtěšice, Bratouchov, Rezek, Stromkovice, Hradsko und Tříč. Bei einer Fläche von 22,5 km² gehört mehr als die Hälfte zum Riesengebirgs- Nationalpark.

Für das günstige Klima sorgt der Herrscher des Riesengebirges, Rübezahl. Auch die Berge zu beiden Seiten der Iser gewähren natürlichen Schutz. Gebirgige Lage und gute Sicht auf das Panorama des Riesengebirges  regen an zu kleinen Spaziergängen und großen Wanderungen auf einem gut markierten Wegenetz.

Jablonec ist das natürliche Zentrum der Region, mit der Isertalstraße - Richtung Vrachlabí      ( Hohenelbe) / Jilemnice nach Harrachov ( Harrachsdorf) / Liberec (Reichenberg). Durch gute öffentliche Verkehrsmittel lassen sich die Tourismuszentren in der Umgebung: Rokytnice nad Jizerou (Rochlitz), Harrachov ( Harrachsdorf), Pec pod Sněžkou (Petzer) und Špindlerův Mlyn (Spindlermühle) leicht und bequem erreichen.

 

Zu den Sehenswürdigkeiten in Jablonec zählt die Kirche des heiligen Prokop mit reichem dekorativen Inneren. Den ursprüngliche Charakter des Bergstädtchens spiegelt die typische Riesengebirgsarchitektur wider. Eine Elementarkunstschule ( musikalischer, formgebender sowie Tanz- und Dramaturgiebereich) knüpft an die reiche kulturelle Tradition an. Kino und Stadtbücherei zählen natürlich auch zum kulturellen Angebot. Freunde des Blasmusik kommen auf  ihre Kosten bei Auftritten der Riesengebirgsblaskapelle, die hier seit mehr als 100 Jahren ansässig ist und schon viele Auftritte im Ausland absolvierte. Aktuelle Informationen bringt die Zeitung “Jizeran“ alle zwei Monate. Für das lokale Kolorit sind die vereine sehr wichtig, beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr, die Jägervereinigung „Enzian“, der Frauenverband und das Rote Kreuz.

 

Im Sport wird viel Wert auf Jugendarbeit gelegt, der örtliche Turnverein „Sokol“ ist mit acht Abteilungen aktiv, deren größte die für Fußball und Skisport sind. Von überörtlichem Rang ist die Abteilung für Skibob, die sich mit einer beachtlichen Reihe von internationalen Meistertiteln rühmen kann. Sportplätze und andere Einrichtungen ( Skilifte und Pisten, Sportareal im Park, Tennisplätze, Freibad,  Mountainbikestrecken jeder Schwierigkeitsstufe, Mehrzwecksporthalle im Kulturhaus um nur einige zu nennen) bieten ausreichend Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung in jeder Jahreszeit.

 

Allen Gästen, die in den hiesigen Hotels, Pensionen und Privatunterkünften sowie auf dem Campingplatz wohnen, bietet sich der Park Pilišťata für Ruhe und Erholung an. Neben einer Ruhezone und dem bereits erwähnten Sportareal findet man dort das Freibad mit Liegeflächen. Auch die an dieser Stelle aufgestaute Iser lockt im Sommer zu einem erfrischenden Bad in kühlem. Klaren Wasser. Die gebirgige Lage und die sich von vielen Stellen bietende Sicht auf das Panorama des höchsten tschechischen Gebirges regen zu forschenden Spaziergängen und größeren Wanderungen auf sorgfältig markierten Wegen in die nahen und weiteren Sehenswürdigkeiten des Riesengebirges.

Bewohnern und Besuchern bietet das örtliche Gesundheitszentrum mit einem praktischen Arzt, einer Gynäkologin und einem Kinder- sowie Zahnarzt die notwendige medizinische Versorgung. Außerdem findet man dort auch die Apotheke.

Der wichtigste Beschäftigungszweig ist die industrielle Erzeugung und zwar im Textilbetrieb Hybler AG sowie in der Maschinenfabrik Elitex AG. Andere wichtige Wirtschaftszweige sind das Bauwesen, Einzelhandel, und der Tourismus. Die Landwirtschaft beschränkt sich heute auf einige Bergbauernhöfe.

 

Seit 1987 besitzt Jablonec eine Städtepartnerschaft mit der deutschem Gemeinde Sulzbach (Taunus)

 

 

 

Vergangenheit

 

Lassen wir den Streit über den Ursprung des Namens beiseite: die einen leiten Ihn vom Apfelbaum ab, den schon unsere Vorfahren sehr geschätzt haben und der im Wappen des „neugebackenen“ Marktfleckens im Jahre 1896 auftaucht, andere wiederum vom keltischen gaolun, d.h. Zoll, Maut und damit die unmittelbar an der Grenze oder an einem Pass liegen. Lassen wir lieber die Vermutungen über die ältere Geschichte außer acht und sprechen über die ersten schriftlichen Urkunden. Wir können da den Fund einer Urne aus gebranntem Ton unter der Anhöhe Rasochy im Jahre 1894 vermelden, der auf eine Besiedlung des Ortes bereits im frühen Mittelalter hindeutet.

 

Einen ersten schriftlichen Hinweis auf die Existenz von Jablonec geben die Kirchbücher mit den Verzeichnissen der Siedler aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Mehr als hundert Jahre später, im Jahre 1492 ist Jablonec als Dorf in der sogenannten „Landtafel“ eingetragen. Dort wird die Teilung der Herrschaft Stepanice zwischen Hynek von Waldstein und dessen Neffen Henik bestätigt. Seitdem gehört Jablonec ständig zur Herrschaft Jilemnice, obgleich es später vom Adelsgeschlecht Harrach erworben wurde.

Die ersten Siedler befassten sich hauptsächlich mit Landwirtschaft und offensichtlich auch mit Bergbau. Wohl deswegen weihten sie ihr hölzernes Kirchlein, das vermutlich schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts an der Stelle des späteren Friedhofs stand, dem heiligen Prokop, dem Patron beider Berufe. Ihren Wohnsitz hatten sie oberhalb der heutigen Straße, und zwar in sicherer Entfernung zur unberechenbaren Iser. Von dort aus schritt die Besiedlung über den Abhang des Konciner Berges fort. An das Iserufer wagte man sich erst im 16. und 17. Jahrhundert vor.

Die Wirren der Hussitenzeit, und erst recht der jammervolle Dreißigjährige Krieg waren der Entwicklung der Siedlung sehr abträglich. So kann sich Jablonec erst im 18. und 19. Jahrhundert entfalten. Unter der im großen und ganzen aufgeklärten Herrschaft des Grafen Harrach kommt es zu einem wirtschaftlichen und kulturellem Aufschwung. Neben der Landwirtschaft und den gängigen Handwerkbetrieben ist der Anbau von Flachs und seine Verarbeitung die wichtigste Einnahmequelle der Bewohner.

Im 19. Jahrhundert entstehen erste industrielle Betriebe. Der älteste ist die Naturbleiche des Herren Slavik aus der Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, aus welcher die Fa. Linke & Stumpe 1873 eine chemische Bleiche und Färberei entwickelte. 1871 baut der Fabrikant Kuna in Blansko eine Weberei und später auch eine Schlichterei ( technische Einrichtung zur Webvorbereitung). 1890 kauft die Firma Herzfeld und Fischel die Zwirnerei Scholz in Hradsko und wandelte sie in eine berühmte Seidenweberei für kirchliche Textilein um. Im Jahre 1894 läuft die Weberei der Firma Mohr und Sohn an, im Jahre 1896 übernimmt die Firma Sleijhar in Buřany. Die industrielle Fertigung  verdrängte schrittweise die Heimarbeit, die Arbeit am Spinnrad geht allmählich zurück. Es wird jedoch weiter Handel getrieben mit im Heimarbeit erzeugten Batisten und Jacquardware aus Leinen. Gegen Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts prosperiert zeitweise das Schneiden und Auffädeln von Glasperlen. Während die Heimarbeiter zumeist aus den Reihen der tschechischen Einwohner stammen, arbeiten in den Fabriken größtenteils Deutsche, denn der Großteil der Unternehmen in Jablonec ist in deutscher Hand. Der Zustrom der deutschen Bewohner wächst Ende des 19. Jh. So stark an, das der deutsche Bevölkerungsanteil in der ursprünglich tschechischen Gemeinde ein Viertel der Bewohner erreicht.

Der Turnverein Sokol, geleitet vom Geist des Patriotismus, des Volksbildung und der körperlichen Ertüchtigung wurde im Jahre 1872 gegründet. Seine Anfänge waren ein wenig kompliziert, weil er auch die Feuerwehr unter seinen Fittichen hatte. Die Ideale des tschechischen Turnvaters Tyrs waren den deutschen Vereinsmitgliedern fremd. Im Jahre 1892 gründeten die Feuerwehrleute einen eigenen Verein. Der Sokol widmete sich nunmehr ungestört seiner Tätigkeit in Volksbildung und Kultur. Aus seinen Reihe erwuchs eine bekannte Tamburin-Gruppe.

Im Haus des Sokolverbandes hatte auch der verein der Laienspieler „Podhoran“ ab 1898 eine ständige Bühne, nach dem Jahre 1920 zeigte man dort auch Filme.

Der Verein Podhoran, im Jahre 1875 gegründet, war nur der logische Ausdruck der starken Theatertradition der wir im gesamten Riesengebirgsvorland begegnen. In Jablonec hatten erste Aufführungen schon im Jahre 1825 stattgefunden, damals noch unter freien Himmel. Alles geschah in Selbsthilfe, vom Verfassen der eigenen Theaterstücke über Kostümnähen bis zum Schreiben der Musik für die Aufführung. Die ältesten Spiele schöpften ihren Stoff aus biblischen Themen. Nach 1848 übte man die Dramen von Tyl, Klicpera und Štěpánek ein.

Da spielte man bereits im Gasthof „Zur böhmischen Krone“ und später im „Paradies“. Mit dem Erlös aus den Eintrittskarten unterstützten die Laienspieler auch gemeinnützige Zwecke, z.B. 1826 wurde die Turmuhr der Kirche bezahlt. Neben dem Verein  „Podhoran“ und der Sängervereinigung „Hlahol“ veranstalteten auch die Feuerwehrleute, der Sokolverband, die Mitglieder des Vereins der Nationalen Einheit Nordböhmens, der Arbeiterturnverein und die Schuljugend Theater und Konzerte.

Zur allgemeinen Bildung der Bewohner trugen sowohl die Gemeindebücherei als auch die Büchereien der einzelnen Vereine bei, vor allem jedoch das Schulwesen. Der systematische Unterricht in der Gemeinde beginnt in den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts, zuerst im Hause des Kantors und in gemieteten Räumen, vom Jahre 1748 an in einem hölzernen Schulgebäude. Im Jahre 1821 wurde ein eigenes Schulgebäude errichtet. 1881 entstand eine neue Schule, die bald zu einer fünfklassigen Einrichtung heranwuchs und auch Kindern aus den Nachbargemeinden diente. Zu Beginn des 20.Jh. wurde die Bürgerschule gegründet. Die Sorge um die Bildung war immer auch eine kirchliche Aufgabe. Jablonec bekam 1721 eine eigene kirchliche Verwaltung, die zur Pfarrei gehörenden benachbarten Orten einschloss. Das alte Kirchlein entsprach bald nicht mehr den gewachsenen Bedürfnissen. So wurde im Jahre 1775 der Grundstein zu einer neuen Kirche gelegt. Die spätbarocke Kirche wurde 1893 umgebaut und erweitert, wobei der Innenraum erneuert und ergänzt wurde, darunter ein Kruzifix von Antonin Sucharda. 1813 wurde auch ein neues Pfarrhaus errichtet.

Die umfangreiche Bautätigkeit, die mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde einherging, veränderte das äußere Bild des Ortes, doch blieben bis heute einige Beispiele für die ursprüngliche Riesengebirgsarchitektur erhalten. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und dann zwischen den beiden Weltkriegen wurde Jablonec zum Ziel von Sommergästen und Skifahrern. Die örtlichen Unternehmer kamen ihnen durch den Bau von Hotels entgegen. Die Gemeinde errichtete ein Freibad im Jahre 1924 und sorgte 1936 für eine Modernisierung. Die Sportklubs kümmerten sich um Sporteinrichtungen, der Wanderklub um gute Wege ins Riesengebirge. Deren größte Aktion war der Bau des Weges von Jablonec zur Dvoračky ( Hofbaude) durch Ing. Krejčí. Die Verbindung zur Welt sicherte die Eisenbahn Royktnice n.J. – Matrinice v Krkonoších im Jahr 1899. Für den Busverkehr und für die Sauberkeit in der Stadt ließ die Gemeinde auf dem gesamtem Gemeindegebiet die Straßen pflastern.

Jablonec entwickelte sich in diesen Jahren zu einem gut besuchten Erholungszentrum. Allerdings wurden die vielversprechenden Anfänge durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Danach kam es aber zu einer erfolgreichen Erneuerung des Gemeindelebens. Auch der Tourismus gewann bald wieder an Dynamik. Doch der 2. Weltkrieg und seine Folgen lähmten die Entwicklung erneut. Der Befreiung 1945 folgte sehr bald ein undemokratisches und totalitäres System. Das sollte die langwierigste Folge des deutschen Besetzung sein. Damit kann und muss sich Jablonec an der Iser bis heute auseinandersetzen. (Quelle: Informationsbroschüre der Stadt Jablonec)