Freundeskreis Jablonec an der Iser – Rechenschaftsbericht für das Jahr 2003

 

Das Jahr begann mit einer stark beachteten Vortragsveranstaltung. Der tschechische Vorsitzende der Deutsch – Tschechischen Historikerkommission,  Prof. Jiri Pešek sprach auf unsere Einladung in Sulzbach zum Thema: “Vertreibungspläne – Menschenverluste – Transfer – Dekrete“, also über die Beneš – Dekrete. Daran schloss sich eine engagierte Diskussion an, der Vortrag fand auch ein beachtliches überregionales Presseecho

 

Die übliche Winterfahrt ins Riesengebirge wurde nicht angeboten, weil wir noch im Herbst 2002  zum 15jährigen Partnerschaftsjubiläum  in Jablonec gewesen waren. Die traditionelle Pfingstfahrt musste mangels ausreichender Beteiligung entfallen. Im Herbst setzten wir die Tradition der herbstlichen Wanderwochen mit 34 Teilnehmern fort. An 3 Tagen wurden rund um Jablonec bei ausgesprochen gutem „Kaiserwetter“ rd. 65 km in bester Wanderlaune zurückgelegt  Die Tage waren abgerundet durch die Country Band „Fous“, die Musikanten Hubert Schwedler und Hans Bukovjan, eine Wanderung zu Josef Gebrt und die Lehrer der Jablonecer Musikschule. Mit von der Partie waren auch die Jablonecer Bürgermeister Nosek und Kubat mit Ehefrauen. Mitte der Wanderwoche hieß es Abschied nehmen , ein Wechsel ins Hotel Arnika, Hermannseifen / Rudnik/unter der Schneekoppe war angesagt. Da ging es auf den Schwarzen Berg, zur Hoffmannsbaude sowie um das Erklimmen der Schneekoppe. Insgesamt kamen für alle am neuen Standort noch einmal rd. 40 km zusammen.  Bei 18 Grad C, in herbstliches Licht getauchtem blauen Himmel sowie guter Sicht nach Schlesien und Böhmen erlebten wir einen unvergesslichen Tag an der Schneekoppe . Nach einer Wanderrunde um Hermannseifen ( wir waren mit dem perfekten Service im Hotel Arnika wieder rundum zufrieden ) besuchten wir die Neuinszenierung der „Fledermaus“ im Reichenberger Stadttheater, die wieder auf sehr positive Resonanz stieß. Klein ist die Welt: Walter, unser Busfahrer, der mit  uns nach R. fuhr, war früher oft bei seinen Verwandten in Sulzbach. Dort wohnten Onkel und Tante, vertrieben aus dem Riesengebirge und inzwischen verstorben. Er fragte nach einem Foto von den Gräbern.  Die samstägliche Busrückfahrt endete am Bahnhof zu Tetschen / Dečin.: Der Bahnhof - perfekt im kuk - Baustil renoviert – ist eine Augenweide für alle Bahnfreunde. Und hier  bestiegen wir den Zug nach Sulzbach.

 

Am 25.Oktober hatten wir ein gut besuchtes gemütliches Beisammensein. Am Ende gab es  Mühe, den Besuchern die Notwendigkeit zu vermitteln, den Abend zur vorangeschrittener Stunde abzuschließen. Dazu trug sicher die musikalische Begleitung durch unseren Freund Klaus Schirrmacher bei.

 

Am 27. Dezember verstarb im Riesengebirge im Alter von 81 Jahren unser Freund Hubert Schwedler. Als Mann des Ausgleichs hat er viele ( auch nationale ) Gegensätze überbrückt. Zugleich war er ein kritischer Beobachter der Gegenwart und damit ein wichtiger Gesprächspartner. Viele Sulzbacher erlebten ihn als Mitglied der Riesengebirgskapelle – in unserer Partnerschaft ein Mann der ersten Stunde. Er war ein guter Erzähler und ein leidenschaftlicher Musiker. Andere Sulzbacher kannten ihn als Geigenvirtuosen - zusammen mit Hans Bukovjan - von gemeinsamen Musikabenden für die Sulzbacher Gäste. So konnte er zu Hause beim täglichen Spielen auf der Violine – das in aller Regel zwei Stunden dauerte – die Welt um sich herum vergessen. Er lebte als letzter Spross einer alten Glasmacherfamilie in Harrachsdorf. Als Wehrmachtsangehöriger galt er bis Anfang der fünfziger Jahre als staatenlos und musste sich unter schwierigsten Bedingungen durchschlagen. Später fand er Arbeit in der Harrachsdorfer Glashütte, konnte sich dort jedoch nicht entsprechend seinen Fähigkeiten entfalten.

Zum Pfarrfest an Fronleichnam spielte wieder die Riesengebirgsblaskapelle, auch beim Kurkonzert in Bad Soden und im Main – Taunus –Zentrum (MTZ) . Die Kapelle trat anlässlich der Sulzbacher Kerb nochmals  im MTZ auf. Beim Sulzbacher Straßenfest war wieder die Jablonecer Country – Musik – Gruppe „Fous“ vertreten. Im Juli konnten wir erneut 4 Schülerinnen aus Jablonec zu einem zweiwöchigen Ferienaufenthalt begrüßen. Großer Dank gebührt neben der Gemeinde Sulzbach und ihren Mitarbeitern im Jugendhaus der Familie Kutz sowie Frau Hochgesand, die sich vorbildlich um die Kinder kümmerten und die Unterkunft bereitstellten. Im November besuchten uns 4 Beamte der für Jablonec zuständigen Polizeistation, intensiv durch Frau Merkel und die Polizeidienstelle in Niederhöchstadt betreut.

 

Zum 1.Advent hatten wir erstmals eine Gruppe von Schülern der weiterführenden Schule in Vysoke / Hochstadt mit ihrer Deutschlehrerin zu Gast. Zugleich begeisterte der Madrigal - Chor SATORI in den kath. Kirchen von Sulzbach und Bad Soden. Jablonecer Feuerwehrleute  boten am  Weihnachtsmarkt Spezialitäten aus ihrer Heimat an. Der Markt selbst brachte unserem Verein einen guten Überschuss. Weitere Vereinsmittel in Höhe von knapp € 2.000 und eine erneut sehr großzügige Unterstützung durch die Firma Köbig erlaubten es , kinderreichen Familien und Alleinerziehenden wieder eine Unterstützung in Höhe von CZK 117.000 (pro Kind CZK 1.000 / ca. € 32 ) zu zahlen. Erstmals erhielten 15 Rentner, die im Krankenstand neuerdings sehr hohe Zuzahlungen beim Kauf von Medikamenten zu leisten haben, auch einen Zuschuss in Höhe von je CZK 1000. Diese Hilfe wurde möglich durch eine großzügige Spende der katholischen Frauengemeinschaft Sulzbach über € 500. Einem unheilbar Schwerkranken konnten wir durch einen Zuschuss Einzelfahrten zur Chemotherapie ermöglichen.

 

Allen Spendern sei an dieser Stelle herzlich gedankt, helfen Sie doch, unverschuldete Not spürbar zu lindern. Ihre Hilfe hat viel Freude bereitet und findet zunehmend Anerkennung. Das zeigt sich am vorliegenden Schreiben aus dem Jablonecer Rathaus. Dank gilt auch allen Sulzbachern, die sich an der vorweihnachtlichen Paketaktion für Freunde und hilfsbedürftige Bürger im Riesengebirge sowie für das deutsch – tschechische Begegnungszentrum in Trautenau / Trutnov beteiligten. Der Leiter, Herr Fiedler sagt besten Dank dafür und lässt allen beteiligten Sulzbachern herzliche Grüße ausrichten. 2004 wird eine solche Hilfe nicht möglich sein, weil das Zentrum vorübergehend anderweitig untergebracht ist.

 

Schule und Kindergarten in J. konnten wir wieder beim Erwerb von Lehrmitteln und Unterrichtsmaterial unterstützen sowie die Hilfe für die Jablonecer Vereine fortsetzen. 8 Gruppen erhielten je € 150, ein großer Verein € 300. Angesichts der Einkommensverhältnisse vor Ort können viele Vereinsmitglieder nicht oder nur mit größter Mühe die eigentlich erforderlichen Beiträge aufbringen. Aus dem Spendenaufkommen anlässlich des Todes unseres verstorbenen Ehrenvorsitzenden Herbert Kuna wurde eine Tauchpumpe für die Jablonecer Feuerwehr erworben Die Feuerwehr hatte einen weiteren Grund zur Freude, erhielt sie doch von der Stadt J. ein „neues“, d.h. gebrauchtes, aber gut erhaltenes Löschfahrzeug. Das vorhandene Fahrzeug war nicht mehr einsatzbereit.

 

Die jährliche Haushaltshilfe der Gemeinde Sulzbach in Höhe von  € 6.000,-- wird 2004 in einer Summe für die Jahre 2003/04 gezahlt. Sie ist diesmal nicht für Einzelmaßnahmen gedacht, sondern wandert in den Grundstock für das Projekt „Brücke“, d.h. den  Ersatz der „lebenswichtigen“ Brücke über die Iser.

 

Aus den bekannten Gründen kann in Jablonec kaum noch gebaut werden. Deshalb zogen wieder  junge Familien fort, eine sehr bedenkliche, ja gravierende Entwicklung. Der  Bau eines Kinderspielplatzes ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Alle eigenen Mittel wurden für den Neubau des Wasser- und Kanalnetzes aufgebraucht, der bereits erwähnte Brückenbau kann nur mit Kredit finanziert werden. Weil der Kreditrahmen der Gemeinde bei den Banken ausgeschöpft ist, weiß niemand so recht , wie das geschehen soll. Die Arbeitslosenquote betrug Ende 2003 10,2 % (nach 9,1 %), also steigende Tendenz .

Unser Verein hatte zum Jahresende  208 Mitglieder. Damit ist die Zahl deutlich niedriger als im Vorjahr. Erstmals wurden Familienmitglieder, die als Kinder angemeldet wurden und jetzt älter als 18 Jahre sind, nicht mehr mitgezählt. Ohne diese Sonderbewegung halten sich Kündigungen und Neuzugänge die Waage.

 

Herzlichen Dank der Kath. Kirchengemeinde, die uns wieder ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Der Dank gilt ferner dem Sulzbacher Gemeindevorstand für das gezeigte Verständnis sowie den Mitarbeitern im Rathaus, die mit der Hilfe und Unterstützung für Jablonec befasst sind. Im Vorstand trafen wir uns zu 6 Arbeitssitzungen, die bei einer Dauer von durchschnittlich 2 ½ Stunden viel Zeit und Kraft kosten. Dafür möchte ich dem gesamten Vorstand danken, danken aber auch Ihnen als fördernde Mitglieder und den zahlreichen Helfern. Herzlicher Dank gilt allen Gastgebern, seien sie nun Vereinsmitglieder oder nicht, die durch selbstloses Handeln die vielen Besuche aus unserer Partnergemeinde hier in Sulzbach möglich machen.

 

Unser Dank gilt der Geschäftsführung des MTZ, die uns ebenso in unserer Arbeit unterstützt. Dank wollen wir abstatten gegenüber der Stadtverwaltung Jablonec sowie Frau Janouch, die ihren Deutschunterricht an der Jablonecer Schule mit unverändertem Engagement fortgeführt hat. Dank sagen wir dem Jablonecer Arzt Dr. Puskarcik, der Sulzbacher Besucher nach wie vor kostenlos behandelt.

 

Weiter zu unserem  Engagement vor Ort: Wir sind Mitglied im Trägerverein für das deutsch – tschechische Begegnungszentrum Trautenau sowie im Theaterverein Vysoke  (Hochstadt) .Über die finanzielle Situation unseres Vereins wird Ihnen Dr. Wolpers berichten. Danach beliefen sich die Hilfsaktivitäten auf rd. € 19.000. In diesem Betrag sind  auch Projekte erfasst, die zwar 2002 beschlossen, aber erst 2003 durchgeführt werden konnten. Hinzu kamen Textilspenden (Arbeitskleidung) von Infraserv

 

Wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll, darüber wird später in der heutigen Veranstaltung gesprochen . Wir werden sicher unsere Unterstützungsprogramme zu einer Linderung sozialer Probleme fortsetzen. Auch Fahrten werden wir weiter anbieten, in welchem Umfang, das wird ganz entscheidend von Ihrer Nachfrage abhängen. Vielleicht haben weitere Ideen , die Sie uns wissen lassen möchten. Wir haben die Anregung, dass sich vielleicht Sulzbacher Bürger finden mögen, die für eine kinderreiche Familie oder einen Rentner eine (bescheidene) Partnerschaft übernehmen.

 

In Stichworten noch ein paar Punkte: Jablonec hat einen respektablen Internetauftritt (www.jablonecn.j.cz) / Bisher war die Wintersaison gut, daher mussten die neuen Beschneiungsanlagen noch nicht eingesetzt werden / Im Pfarrhaus hat die Renovierung jetzt endlich angefangen / Der Mindestlohn in der Tschechischen Republik ist zum Jahresanfang um CZK 500 auf CZK 6.700 gestiegen

 

Die Menschen vor Ort sind von großen Ängsten vor dem Beitritt zur EU am 1.Mai d.J. geplagt. Die Politiker im Lande haben versäumt, über die Auswirkungen ausreichend aufzuklären. Die Aufnahme bringt sicher große Änderungen für den Einzelnen mit sich.  Bitte unterstützen Sie daher wie bisher unsere Arbeit für das weitere Zustandekommen einer deutsch-tschechischen Versöhnung und Verständigung in einem demokratischen  Europa.