Zwischen Buchberg und Schneekoppe – Herbstwanderung 2003

 

Die Anfahrt ins Riesengebirge mit der Bahn verlief ohne Probleme. Ängste, angesichts des Niedrigwassers der Elbe gebe es Schwierigkeiten beim Übersetzen ans böhmische Ufer,  waren unberechtigt. Pünktlich auf die Minute trafen wir ein, und nach einem Einkaufsbummel über den Grenzmarkt setzte sich der Bus in Bewegung. Vor allem in der Natur waren noch die Spuren des letztjährigen Elbhochwassers zu erkennen, ansonsten ist man – wie auch auf der deutschen Seite - eifrig bemüht, alles in neuem Glanz erscheinen zu lassen. Die Grenzstadt Tetschen / Decin gab davon ein beredtes Zeichen. Weniger erfreulich waren die Regenwolken und die Wanderfreunde, die auf Regen gesetzt hatten, waren obenauf : Sie hatten (kofferweise!) Regenkleidung eingepackt. Aber es sollte völlig anders kommen.

 

Der Sonntagmorgen auf der Wachsteinbaude / Straz glänzte mit blauen Himmel. Nach dem Frühstück wurden die Wanderstiefel geschnürt . Vor uns lag das Rochlitzer Tal, über Franzental erreichten wir Jerusalem / Rejzek. Quer und auf und ab ging's durch die Gemeinde Jablonec, mittags erreichten wir  das Anwesen von Josef Gebrt. Bei Essen und Trinken ließ sich die einmalige Aussicht genießen, dazu spielte die Jablonecer Country – Band, vom Sulzbacher Straßenfest bekannt. Natürlich wurde der Rückweg zu Fuß angetreten ( 25 km).

 

Montags zog es uns wieder nach Rejzek, dann folgte ein Abstieg ins Tal der Kleinen Iser, einem Quellfluss der Iser. Auf der anderen Talseite erklommen wir die Anhöhe „Johannisberg / Janova Hora“, in Sulzbach bekannt aus den Reiterferien, die der Freundeskreis in früheren Jahren für Sulzbacher Kinder organisierte. Bei stechender Sonne floss der Schweiß in Strömen, der Flüssigkeitsverlust konnte aber ( wegen „Montags geschlossen“) zunächst nicht kompensiert werden. Glücklicherweise fanden wir später in Benetzko mit dem Hotel Kubat eine empfehlenswerte Mittagsrast. Danach liefen wir durch eine herbstbunte Hügellandschaft bis zum Bahnhof Hrabacov (23 km). Der „Isertalexpreß“ brachte uns nach Jablonec , ein Erlebnis besonderer Art. Den Anstieg zur Wachsteinbaude schenkten wir uns – es gab ja vierrädrige Aufstiegshilfen. Das war zeitlich auch dringend nötig, denn für den  Abend waren die Musikanten Hans Bukovjan und Hubert Schwedler eingeladen.

 

Für den nächsten Tag suchten wir nach dem Abstieg eine neue Wanderstrecke entlang der Iser und über steile Hänge nach Ober - Paseky. An der Kirche wurde Rast gemacht. Über einen aussichtsreichen Panoramaweg und den Iser - Kammweg wurde Prichowitz / Prichovice angesteuert. Trotz Voranmeldung gestaltete sich das Mittagessen in Wurzelsdorf / Korenov zu einem Drama: Die Hotelküche lief auf „Hochtouren“, nach etwa 70 Minuten kam schon die Suppe usw., so dass wir das gastliche Haus erst nach geschlagenen drei Stunden wieder verlassen konnten. Die Zeitplanung war aus den Fugen geraten, der Wanderweg endete in Ober – Polaun / Horni Polubny (17 km) , wo wir von Busfahrer Pavel Novak abgeholt wurden. Am Abend zeigten die Lehrer der Musikschule Jablonec wieder einmal mit Gesang und an Instrumenten ihr Können .Mit Renaissance, Klassik , Moderne und Volkslied waren alle Musikrichtungen vertreten. Sie wurden einfühlsam interpretiert. Begeisterter Applaus war der Dank. Zu Gast an diesem Abend waren auch die Jablonecer Bürgermeister Nosek und Kubat mit ihren Ehefrauen.

 

Mittwoch hieß es Abschied nehmen von Jablonec, ein Wechsel in die Gegend unter der Schneekoppe war angesagt, nach Herrmannseifen. Von Johannisbad aus nahmen wir die Seilbahn auf den Schwarzen Berg und konnten aus der Höhe das einzigartige Panorama des Ostriesengebirges genießen. Der folgende Abstieg ließ nichts Gutes ahnen, später sollten die verlorenen Höhenmeter wieder erstiegen werden müssen. Im Hinterkopf das Verpflegungsdrama vom Vortag, klopften wir bange an die verschlossene Tür der Prager Baude. Die Frage nach Mittagessen wurde bejaht, auch floss sofort der Gerstensaft. Doch dann stellten wir zu unserem Schrecken fest, dass der Mann als Solist in der Küche „werkelte“. Eine schlimme Ahnung beschlich uns. Sollte sich der Vortag wiederholen ? Doch es geschah ein Wunder: Unter tatkräftiger Mithilfe einiger Wanderdamen und von Klaus Preissler, unserem guten Geist, wurde ein Mittagessen ( verschiedene Gerichte zur Auswahl ) aus dem Hut gezaubert. Nach 70 Minuten waren nicht nur die Biervorräte erschöpft, sondern auch die leeren Teller abgeräumt und die Zeche bezahlt (!!!). Der „Zauberer“ erzählte, er habe sein Handwerk u.a. im Bayrischen Wald erlernt. Auf dem Heimweg war Schwitzen angesagt, so dass eine Pause auf der Hoffmannsbaude ( Spezialität : Heidelbeerknödel in Butter und Heidelbeerkuchen) zur  Wiederaufstockung des Kalorienhaushaltes genutzt wurde. (14 km). So war der Heimweg zu Fuß in unser Hotel nach Herrmannseifen / Rudnik bitter nötig, denn dort wartete auf uns das opulente Abend – Buffet.

 

Donnerstagmorgen blieb wenig Zeit für ein ausgedehntes Frühstück: Wir wollten auf die Schneekoppe – der größere Teil per Seilbahn, eine Minderheit zu Fuß. Ungewöhnlich hohe Koppentemperaturen (18 Grad C), blauer Himmel, herbstliches Licht und gute Sicht nach Schlesien und Böhmen machten den (leider zu kurzen) Aufenthalt unvergesslich . Der Abstieg über Schlesierhaus, Wiesenbaude ( seit dem Frühjahr geschlossen und auf Abriss / Umbau wartend), Geiergucke / Vyrovka über die Richterbauden nach Petzer / Pec. war erträglich (13 km). Beim Rundgang in Petzer entdeckten wir eine Fotoausstellung „Verschwundenes Sudentenland“ mit lesenswertem Katalog, von tschechischer Seite zusammengestellt, und dabei ein Gästebuch mit sehr nachdenklichen, aber versöhnlichen Eintragungen.

 

Am Freitag war die unmittelbare Umgebung von Hermannseifen auszukundschaften: eine herbstliche Hügellandschaft, anfangs mit Blick auf den Heidelberg / Zaly ( an dessen Hang wir am Dienstag gewandert waren), immer den Schwarzen Berg im Visier. Später öffnete sich die Sicht nach Süden. Klaus konnte sich über Pilzfunde freuen ( die Trockenheit hatte bisher kaum davon sprießen lassen). Pünktlich zu Mittag war der Bogen um unser Quartier, das Hotel Arnika (ausgezeichnetes Hotel mit guter Küche) geschlagen (9 km) Für den Abend gab's Karten für die diesjährige Neuinszenierung der „Fledermaus“ im Reichenberger Stadttheater : Erstklassige Stimmen, aufwendige Kostüme, ein schönes Bühnenbild und der zeitlose Melodienreigen der bekanntesten Operette von Johann Strauß hinterließen bleibende Eindrücke. Die Künstler konnten am Ende lang anhaltenden Beifall für ihre hervorragende Leistung entgegennehmen. Klein ist die Welt: Walter, unser Busfahrer, der mit  uns nach R. fuhr, war früher oft bei seinen Verwandten in Sulzbach. Im Finkenweg wohnten Onkel und Tante, vertrieben aus dem Riesengebirge und inzwischen verstorben. Er fragte nach einem Foto von den Gräbern.

 

Samstag hieß es Abschied nehmen vom Riesengebirge. Bei immer noch freundlichem Herbstwetter unterbrachen wir die Fahrt in Reichenberg für einen Einkaufsbummel ( Fryc, das wohl größte Antiquariat der Tschechischen Republik, war wieder Ziel der Bücherfreunde) und steuerten alsdann Tetschen / Decin an. Dort überraschte uns ein im kuk - Baustil gekonnt renovierter Bahnhof. Wohl mehr oder weniger ermattet sanken wir in die Polster der Eisenbahn und ließen die Landschaft der Böhmischen und Sächsischen Schweiz an uns vorübergleiten. Pünktlich nach 21h erreichten wir Sulzbach – Nord.

 

Unser Dank gilt allen, die zum guten Gelingen der Wanderwoche beitrugen: Dem stellvertretenden Jablonecer Bürgermeister Mirek Kubat, Tomas Kyral von der Nationalparkverwaltung Riesengebirge, unserem ständigen und unermüdlichen Begleiter Klaus Preissler und Josef Gebrt, der uns zusammen mit seiner Familie so freundlich bewirtete, nicht zuletzt auch allen Jablonecer Musikern.