Freundeskreis Jablonec an der Iser –Rechenschaftsbericht für das Jahr 2005

 

Wenn immer ich mich in den letzten Jahren hinsetzte, um mit der Abfassung des Tätigkeitsberichts zu beginnen, hatte ich die Eindrücke der gerade abgeschlossenen Winterfahrt vor Augen, so auch in diesem Jahr. Es war das erste Mal, dass die Fahrt hin und zurück ohne Verspätungen verlief, und das noch dazu in der Rekordzeit von 7 Stunden 50 Minuten (Frankfurt Hbf - Jablonec Bf ) Die letztjährige Fahrt hatte darunter gelitten, dass wir die einzige Woche „erwischten“, in der der Winter mild regierte. Gleich am zweiten Tag führte Glatteis zu einem Unfall (Unterarmbruch). Das Krankenhaus in Starkenbach (Jilemnice) machte einen guten Eindruck. So konnten wir das neue Sozialversicherungsabkommen testen: Der deutsche Behandlungsschein wurde ohne Schwierigkeiten akzeptiert ( Gleichwohl ist im Winter der Abschluss einer privaten Krankenversicherung zu empfehlen, um sich einen kostenlosen Rücktransport zu sichern). Übrigens ist man im Riesengebirge bestens für Spezialoperationen an Hand und Armgelenk aufgehoben. In der Jablonecer Nachbarschaft, in Vysoke (Hochstadt), befindet seit den dreißiger Jahren eine Spezialklinik, die einen solch guten Ruf hat, dass sogar aus Prag Patienten, die sich einer besonders schwierigen Operation unterziehen müssen, hierher überwiesen werden.

 

Der nach unseren Aufenthalt einsetzende strenge Winter mit Schneehöhen von bis zu 4 Metern führte zu teilweise chaotischen Straßenverhältnissen und bewirkte ein riesiges Loch im Haushalt der Stadt Jablonec. Zum Glück erklärte sich die Mainova – auf Anregung der Gemeinde Sulzbach – bereit, € 2.000 für die Reparatur eines Räumfahrzeuges bereitzustellen. Dafür unseren herzlichen Dank. Bei mehr als 40 km zu räumenden Wegen waren Mensch und Fahrzeug härtesten Belastungsproben ausgesetzt. Unglücklicherweise hat dieser Winter ähnlich begonnen, vielfach liegen schon 1 ½ Meter Schnee.

 

Zum Pfarrfest an Fronleichnam spielte die Riesengebirgsblaskapelle, am Samstag drauf folgte ein Auftritt im MTZ. In den letzten Jahren war die Kapelle ein zweites Mal, jeweils im Oktober, nur im MTZ aufgetreten. Dieser Termin musste 2005 (und wird auch zukünftig) entfallen: Die Kosten für die Busreise sind zu stark gestiegen. Man muss jetzt mit ca. € 1.400 rechnen.

 

Im Juni besuchten wir die Jablonecer Feuerwehr, die mit einem eindrucksvollen Programm das 130. Jahr Ihres Bestehens feierte.

 

Ende Juli konnten wir erstmals 5 (bisher 4) Schülerinnen aus Jablonec zu einem zweiwöchigen Ferienaufenthalt begrüßen. Großer Dank gebührt neben der Gemeinde Sulzbach und ihren Mitarbeitern im Jugendhaus vor allem Frau Hochgesand, die nicht nur wieder Gastgeberin für vier Kinder war, sondern sich auch liebevoll um die jungen Damen kümmerte. Gleiches gilt für Frau Merkel, die ein Mädchen beherbergte. Wie sehr es den Jugendlichen gefallen hat, lässt sich an den Tränen ermessen, die zum Abschied flossen. 4 Teilnehmerinnen der Ferienspiele trieb das „Heimweh“ bald wieder nach   Sulzbach, und zwar zum Weihnachtsmarkt.

 

Im September waren wir mit unserer  Wandergruppe wieder zu Gast im Riesengebirge. Dazu gab es kürzlich einen ausführlichen Bericht im Sulzbacher Anzeiger, deshalb hier nur eine Kurzfassung: Wir hatten als Standorte Jablonec und Hermannseifen (Rudnik) vorgesehen, die Wachstein – Baude und das Hotel Arnika. Anfangs ließ das Wetter zu wünschen übrig, wir wurden 2 x kräftig nass, einmal bis auf die Haut.  Die Hancbaude in Benecko, die wir als Quartier für zukünftige Fahrten ins Auge gefasst haben, wurde getestet ( TEST - Urteil : Gut ). In guter Erinnerung bleibt der Nachmittag mit Country Musik bei Josef Gebrt. Der Wechsel ins zweite Quartier erfolgte zünftig zu Fuß (nahezu!): Über Hofbauden (Dvoracky) und Elbquelle ( dort trafen wir eine Gruppe aus dem Hintertaunus) nach Spindlermühle, Schlossbesichtigung in Hohenelbe (Vrchlabi) und Busfahrt nach Hermannseifen. Zum Höhepunkt der Woche, auf  der Kammwanderung  von Klein – Aupa (Mala Upa) über die Schneekoppe zum Spindlerpaß begleitete uns Sonne. Donnerstags Ortstermin in Schatzlar (Zacler), Sprung über die Grenze nach Schlesien, die erdrückenden Dimensionen der Festung Stachelberg, unvergesslich herbstliche Farben auf dem Weg nach Trautenau. Am letzten Abend ein großes Erlebnis: ein Konzert auf der historischen Rieger – Orgel in der Kirche zu Hermannseifen

 

Später im gleichen Monat hatten wir Besuch aus der weiterführenden Schule in Vysoke. Eine Gruppe von 7 Schülern und 2 Lehrern besuchte die IAA in Frankfurt. Die Schüler hatten Reise und Besuch als Auszeichnung für besonders hervorragende Leistungen erhalten. Ein Besuch des Frankfurter Flughafens, speziell die Rundfahrt über das Flugfeld und die Besichtigung des KFZ - Wartungsbereichs rundete das Besuchsprogramm ab. Natürlich durfte auch der Grillabend im Sulzbacher Jugendhaus nicht fehlen.

Im November hatten wir unser gemütliches Beisammensein. Wie auch in den Vorjahren war der Besuch recht zahlreich, über 70 Mitglieder hatten den Weg gefunden. Darüber haben wir uns im Vereinsvorstand sehr gefreut. Der Dank gilt unserem Vereinsmitglied Klaus Schirrmacher, der uns wieder musikalisch unterhalten hat

 

Zum 1. Advent begeisterte der Kammerchor KALANDRA in den kath. Kirchen von Sulzbach und Bad Soden. Die Mitglieder des Satori – Chores, der früher dieses adventliche Konzert bestritten hatte, sind inzwischen beruflich so stark engagiert, dass es an der notwendigen Zeit zum Proben hapert. Jablonecer Feuerwehrleute  boten auf dem Weihnachtsmarkt Spezialitäten aus dem Riesengebirge an. Der Markt selbst brachte unserem Verein wie gewohnt einen guten Überschuss, rd. € 700. Weitere Vereinsmittel in Höhe von knapp € 2.900 wurden aufgewendet, um kinderreichen Familien und Alleinerziehenden zu Weihnachten wieder eine Unterstützung in Höhe von insgesamt CZK 105.000 (pro Kind CZK 1.000 /  € 34,50 ) zahlen zu können. Über eine Hilfe für besonders bedürftige Rentner für Arzneimittelausgaben werden wir in unserer nächsten Vorstandssitzung beraten. Anfang 2006 betrug die Arbeitslosenquote in Jablonec 9,4 % (nach 9,2 %), also leicht steigende Tendenz. In absoluten Zahlen: Es gibt 93 Arbeitslose bei 992 arbeitsfähigen Einwohnern

 

Allen Spendern sowie Ihnen als Vereinsmitgliedern sei an dieser Stelle für all diese Hilfe herzlich gedankt. Das kommt auch im ausliegenden Schreiben des stellv. Bürgermeisters Kubat zum Ausdruck. Dank gilt ebenfalls den Sulzbachern, die sich wieder an der vorweihnachtlichen Paketaktion für Freunde und hilfsbedürftige Bürger im Riesengebirge beteiligten. Auch der Leiter des deutsch – tschechischen Begegnungszentrums in Trautenau, Herr Fiedler, lässt allen Sulzbacher Bürgern  herzliche Grüße ausrichten. Er wird dort zum 1.3.06 ausscheiden. Die Bundesrepublik hat die Zuschüsse drastisch und damit dramatisch gekürzt, die Arbeit soll in Zukunft ehrenamtlich verrichtet werden

 

Wir bedauern sehr die Versetzung des bisherigen kath. Pfarrers Ivo Kvapil ins Altvatergebirge. Er hat in seiner knapp vierjährigen Amtszeit oft vergessen lassen, dass eine Sprachbarriere besteht und sich vorbehaltlos für unsere Partnerschaft eingesetzt. Er war mir stets ein sehr geschätzter Gesprächspartner, auch mit wichtigen, wenngleich oft kritischen Anmerkungen. Auch den Vertriebenen aus der Region war er zugetan. Seine Weihnachtsbriefe an die früheren deutschen Bewohner haben manche Wunde heilen lassen. Der Nachfolger heißt Vit Horak und will sich auch in die Partnerschaft einbringen. Er spricht aber leider nur italienisch. Wir wollen ihn herzlich begrüßen..

 

Auch 2005 waren wir wieder als „Möbelschlepper“ tätig. Die Gemeinde Sulzbach hatte Möbel aus dem provisorischen Rathaus in der Otto Volger - Strasse zugunsten Jablonec freigegeben. Schon an der Vorbereitung der Möbel für den Transport beteiligten sich erfreulich viel Helfer, beim Laden, das sich über 2 Tage erstreckte, waren noch mehr Arme tätig: Mit  nur halbstündiger Verspätung setzte sich der Sattelschlepper am frühen Samstagnachmittag pünktlich in Bewegung .

Die Unterstützung der Jablonecer Vereine haben wir fortgesetzt. 11 Gruppen erhielten je € 100, ein großer Verein, nämlich die Feuerwehr, € 240. Angesichts der sehr niedrigen Einkommen können ältere Vereinsmitglieder oft keine Beiträge zahlen. Gleichwohl werden wir 2006 unsere Unterstützung etwas zurücknehmen müssen. Wir erhielten erneut eine alte Violine geschenkt, die wir im Egerland von einem renommierten Geigenbauer restaurieren ließen und der Jablonecer Musikschule zur Verfügung stellten. Wir übernahmen die Materialkosten für die Reparatur des Veranstaltungspavillons im Jablonecer Park – zusammengebrochen unter der Schneelast des Winters 2004/5, erst 2004 in Eigeninitiative erstellt.

 

Die jährliche Haushaltshilfe der Gemeinde Sulzbach in Höhe von jetzt € 5.000,-- wurde zur Reparatur der Straßenbeleuchtung verwendet. Der (Neu)Baubeginn der eigentlich lebensnotwendigen Brücke über die Iser musste erneut verschoben werden, da die EU-Mittel immer noch nicht fließen und eigene Mittel in nennenswertem Umfang nicht vorhanden sind. Die kommunale Aufsicht genehmigt zur Zeit keine Aufnahme von Krediten. Gerade zur rechten Zeit kam die Bereitschaft der Gemeinde Sulzbach, der Partnergemeinde ein ausgewechseltes Feuerwehrfahrzeug als Geschenk zu überlassen. Der zu einem früheren Zeitpunkt übergebene VW-Bus hat „seine Pflicht getan“, er muss dringend ersetzt werden. 

 

Zum Tourismus: Eine weiter steigende Inanspruchnahme der sommerlichen Busquerverbindung (mit Fahrradtransport) zwischen Harrachsdorf im Westen und Klein – Aupa (Mala Upa) im Osten, mit je einer Verbindung am Morgen und am Abend in beiden Richtungen, unterstützt durch zeitlich gut abgestimmte Zubringerbusse lässt weitere Pläne reifen. In der Arbeitsgemeinschaft der Riesengebirgsgemeinden wird über ein neues Touristik – Konzept nachgedacht, allerdings prallen dort die Interessen hart aufeinander. In Jablonec findet Wintertourismus zunehmend in den Seitentälern statt. An mehreren Stellen wurden kleine Lifte errichtet, die oft auch am Abend ausgeleuchtet sind und rege genutzt werden. Offensichtlich sind Ferienhäuser und – Wohnungen gut zu vermieten. Auf Grund der starken Preissteigerungen in Orten wie Harrachsdorf beginnen Gäste talabwärts in preiswertere Quartiere auszuweichen. Jablonec selbst steht wohl ein Sprung im Beherbergungsgewerbe bevor. Zwei frühere Betriebserholungsheime wurde von Projektentwicklern erworben und sollen modernisiert werden. Auch eine kleine Ferienhausanlage könnte entstehen, schon wird  von regem Interesse aus Holland berichtet. ( Ähnliches hatten wir im Herbst in Schatzlar gehört). Der Jablonecer Skilift wird inzwischen professionell betrieben und auch sehr gut angenommen. Er steht unter der gleichen Regie wie fast alle Lifte im westlichen Riesengebirge. Selbst der Jeschkenlift wird neuerdings vom gleichen Unternehmer betrieben.

 

Herzlichen Dank der Kath. Kirchengemeinde, die uns wie immer ihre Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung stellte. Der Dank gilt ferner dem Sulzbacher Gemeindevorstand für das entgegengebrachte Verständnis sowie den Mitarbeitern im Rathaus, die mit der Hilfe und Unterstützung für Jablonec befasst sind. Zum Verein: Er hatte zum Jahresende 203 Mitglieder (nach 208). Zu uns selbst als Vorstand: Wir trafen uns zu 5 Vorstandssitzungen, die bei einer Dauer von durchschnittlich 2 ½ Stunden wieder  viel Zeit und Kraft kosteten. Dafür möchte ich dem gesamten Vorstand danken, danken aber auch Ihnen als fördernde Mitglieder und den zahlreichen Helfern. Ich habe im letzten Jahr gut 6 Wochen in der CR zugebracht, davon mehr als die Hälfte in unserer Partnergemeinde. Insofern ist – ergänzt durch regelmäßige Telefonate – weiter eine lückenlose Kommunikation gewährleistet. Unser herzlicher Dank gilt auch allen Gastgebern, seien sie nun Vereinsmitglieder oder nicht, die durch selbstloses Handeln die vielen Besuche aus unserer Partnergemeinde hier in Sulzbach möglich machen. Unser Dank gilt auch unserem „Chefübersetzer“ Dr. Pavel Cervicek aus Darmstadt, der unermüdlich die Sprache hin und her trug und mit Herz und Seele bei seiner Arbeit dabei war.

 

Unser Dank gilt der Geschäftsführung des MTZ, die weiterhin unsere Arbeit unterstützt. Dank wollen wir abstatten gegenüber der Stadtverwaltung Jablonec (dort besonders dem stellv. Bürgermeister Kubat) sowie Frau Janouch, die ihren Deutschunterricht an der Jablonecer Schule mit unverändertem Engagement fortführt. Dank sagen wir dem Jablonecer Arzt Dr. Puskarcik, der wieder Sulzbacher Besucher kostenlos behandelte, glücklicherweise mit „fallender“ Tendenz.

 

Weiter zu unserem  Engagement vor Ort: Auch als Mitglied im Trägerverein für das deutsch – tschechische Begegnungszentrum Trautenau sowie im Theaterverein Vysoke  (Hochstadt) konnten wir helfen. Leider fiel der geplante deutsch – tschechische musikalische Beitrag zum Rübezahl – Theaterherbst in Vysoke aus, die Musiker waren kurzfristig erkrankt. Über die Finanzen wird Ihnen Dr. Wolpers berichten. Danach beliefen sich die Hilfsaktivitäten in 2005 auf rd. € 12.000. Dass sich die Tschechische Krone weiterhin verteuert hat, bekommen wir deutlich zu spüren: Für  Euro erhalten wir  erneut weniger Kronen. Bezogen auf unsere Hilfe 2005 machte das immerhin ein Minus von rd. CZK 24.000 (d.h. 8,3 %)  aus. Auch die stark sinkenden Einnahmen zwangen uns in 2005 dazu, unsere Leistungen erstmals zu reduzieren. Welche Prioritäten in Zukunft gesetzt werden sollen, darüber werden wir im Vorstand ringen müssen.

 

2007 wollen wir in Sulzbach das 20jährige Bestehen unserer Partnerschaft feiern. Schon wurden in Sulzbach und Jablonec„zielführende“ Gespräche geführt. Wir rechnen bald mit ersten Ergebnissen

 

Fast zum Schluss erwähne ich unser bisher noch nicht umgesetztes Projekt, nämlich von Ihnen die Übernahme einer (bescheidenen) Patenschaft zu erbitten, d.h. jährlich € 35 für ein Kind aus einer kinderreichen Familie oder für einen Rentner zu spenden. Wir werden uns auch dazu in Kürze schriftlich melden.

 

Bitte unterstützen Sie wie bisher unsere Arbeit für das weitere Zustandekommen einer deutsch-tschechischen Versöhnung und Verständigung in einem demokratischen  Europa. Gehen wir gemeinsam weiter an die Arbeit.